Orgelbau Kuhn
 
 
 

Orgelbau Kuhn AG, 2020

Projekt in Arbeit

Windladen: Schleifladen
Traktur: elektrisch
Registratur: elektrisch




Querverweise:
Erste Orgel 1895
Zustand 1927
Orgel in der Kirche Neumünster







© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf/Schweiz



Portrait-Nummer 114680
www.orgelbau.ch/op=114680

Zürich IV/P/70
Schweiz, Zürich
Tonhalle

Disposition (download)

Neue Konzertsaal-Orgel für die Tonhalle Zürich

Wir sind stolz, die neue Tonhalle-Orgel bauen zu dürfen. Sie wird voraussichtlich im Herbst 2020 fertiggestellt sein. Mit einer Unterbrechung von etwa 10 Jahren bleibt damit Orgelbau Kuhn seit 1872 Partner der Zürcher Tonhalle.

Der Auftraggeber wünscht sich ein Instrument, das für begleitendes und solistisches Spiel mit dem Tonhalle-Orchester und mit Gastorchestern, Solisten und Chören geeignet ist. Beim solistischen Spiel soll das klassische Orgelrepertoire adäquat dargestellt werden können. Die Orgel soll sich zudem zur Darstellung zeitgenössischer Orgelmusik eignen und eine künstlerisch eigenständige Sprache sprechen. Zur Erreichung dieser Ziele erscheint uns u.a. eine breite klangliche Differenzierung im Bereich der Grundstimmen besonders wichtig.

Platzierung

Mit dem Orgelprojekt werden verschiedene bauliche Altlasten bereinigt. Die alte Lüftungsanlage des Saales wird modifiziert und damit mehr Platz in der Orgelnische geschaffen. Der Prospekt-Unterbau wird bis zur Orgelnische zurückversetzt und schafft damit den vom Orchester sehnlichst gewünschten zusätzlichen Platz auf dem Orchesterpodium. Das Instrument steht statisch wieder ausschliesslich in der Nische und ragt nur mit dem Prospekt-Oberbau leicht aus der Nische, deutlich weniger als die letzten zwei Vorgängerorgeln.

Disposition und Anlage

Auf der Grundlage eines Entwurfs von Christian Schmitt (Stuttgart) mit 74 bis 80 Registern wurde die vorliegende Disposition in enger Zusammenarbeit zwischen den Orgelsachverständigen Christian Schmitt, Martin Haselböck (Wien), Peter Solomon (Zürich) und Orgelbau Kuhn AG entwickelt. Dem Hauptwerk stehen ein deutsch-romantisches Orchesterwerk und ein französisch inspiriertes Récit gegenüber. Diese beiden Schwellwerke sind an bester Lage, direkt über dem Orchester, platziert. Das Hauptwerk liegt eine Etage höher. Hinter dem Hauptwerk befindet sich das Solowerk. Dafür konnte im Vergleich zu früher zusätzlicher Platz bauseitig zur Verfügung gestellt werden. Das Solowerk ist als „floating division“ konzipiert, also auf allen Klaviaturen verfügbar.

Das Grosspedal steht seitlich und an der Rückwand in der unteren Etage, das Kleinpedal auf der Höhe des Hauptwerks. Das Pedalwerk umfasst zwölf Register und wird durch das schwellbare Orchesterpedal mit weiteren sieben Registern komplettiert. Insgesamt weist die Disposition 70 klingende Register, sieben Transmissionen und zwei Verlängerungen auf. Sie liegt damit im Grössenbereich der Vorgängerorgeln.

Die Zungenregister werden in deutscher, französischer und englischer Bauart realisiert. Durchschlagende Zungenregister sind die Aeoline 16 ' und die Clarinette 8 '. Die „Flauto turicensis“ mit ihrem einzigartigen Klangerlebnis ist eine Eigenentwicklung von Orgelbau Kuhn AG. Sie wird erstmals für die Schweiz gebaut. Das Pfeifenlabium ist 360 ° umlaufend.

Die hier publizierte Disposition zeigt den vorläufigen Stand der Entwicklung vom 26. Februar 2018. So ist beispielsweise die Diskussion um die Effektregister noch nicht abgeschlossen.

Spieltisch

Nach eingehender Diskussion hat sich das Expertengremium für einen dreimanualigen Spieltisch ausgesprochen. Er ist kompakter als ein viermanualiger und gewährleistet im Orchesterbetrieb die Sicht zum Dirigenten besser.

Grosse Konzertsaal-Orgeln sind zusätzlich zum mobilen Spieltisch auf dem Podium oft mit einem zweiten, angebauten Spieltisch ausgestattet. Die Erfahrung zeigt deutlich, dass in der Praxis fast ausnahmslos der mobile Spieltisch zum Einsatz kommt. Auf einen mechanischen Spieltisch wird deshalb verzichtet. Diese Entscheidung macht den Rücksprung des Prospekt-Unterbaus in der vorgesehenen Art erst möglich.

Prospektgestaltung

Die Prospektgestaltung ist aktuell in Arbeit und orientiert sich am Restaurierungsziel des Tonhalle-Saals. Dieser wird aufwändig an den polychromen Zustand von 1895 angenähert (siehe Bild 1, das den damaligen Zustand zeigt). Die Vorgaben der Denkmalpflege laufen auf eine historisierende Prospektgestaltung hinaus. Die infolge des Wegfalls der mechanischen Traktur eingesparte Bauhöhe wird den Einblick in die originale Orgelnische erweitern.

Ausblick

Mit der neuen Tonhalle-Orgel werden – neben den vordergründigen musikalischen Zielen – weitere wichtige Aufgabenstellungen einer Lösung zugeführt: Der Orgelprospekt wird konsequent in die Saal-Ästhetik eingeordnet, die Orgel hat jetzt ihren Platz in der Orgelnische, das Orchester erhält mehr Raum auf dem Podium und die ohnehin schon hervorragende Raumakustik wird weiter optimiert. Die Vorgänger-Orgel mit dem vielbeachteten Dispositionskonzept von Jean Guillou ist demontiert und wird in der Kathedrale von Koper/Slowenien ihren neuen Aufstellungsort finden. Die Entscheidung für die neue Tonhalle-Orgel wird somit gleich mehrere Interessengruppen als Gewinner hervorbringen.


26.02.2018




Bildlegende
Bild 1: Zustand des Saals 1895, Postkarte, Archiv Tonhalle-Gesellschaft
Bild 2: Saal mit Orchester, Archiv Tonhalle-Gesellschaft
Bild 3: Orgel im Zustand 1927, Archiv Orgelbau Kuhn
Bild 4: Orgel im Zustand 1939, Archiv Orgelbau Kuhn
Bild 5: Steinmeyer-Kleuker-Orgel 1988, Archiv Orgelbau Kuhn
 
 
   
 © Orgelbau Kuhn AG   Aktualisierung 29.01.2018    info©orgelbau.ch