Orgelbau Kuhn
 
 
 

Orgelbau Kuhn AG, 2016

Restaurierung

Orgel erbaut von:
Nikolaus Rummel d. Ä., 1746

Windladen: Schleifladen
Traktur: mechanisch
Registratur: mechanisch


Intonation: Gunter Böhme



Links, Downloads:
Orgel-Festwoche
Wilheringer Orgelherbst 2019


Querverweise:
Hauptorgel





© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf/Schweiz



Portrait-Nummer 801660
www.orgelbau.ch/op=801660

Wilhering I/P/8
Österreich, Oberösterreich
Zisterzienserstift, Chororgel

Die Kanzelorgel der Stiftskirche Wilhering

Nach der Brandkatastrophe von 1733, mit Zerstörung der Kirche und einem Grossteil der Klostergebäude, erfolgte der Neubau der bis heute erhaltenen Klosterkirche. Die architektonische Einheitlichkeit des prächtigen Rokoko-Kirchenraumes, mit der gestalterischen Einbindung der Orgelgehäuse von Haupt- und Chororgel, ist in Fülle und Farbigkeit sicher kaum zu übertreffen.

Nachdem im Jahr 1741 die Hauptorgel von Johann Ignatius Egedacher erbaut wurde, folgte im Jahr 1746 die Chororgel. Diese wurde von Nikolaus Rummel d. Ä. (* 1708, † 1794) erbaut. Er war von Rothenburg ob der Tauber nach Linz eingewandert. Stationen seiner Wanderschaft sind bislang nicht bekannt. Vermutet wird unter anderem eine Anwesenheit Rummels in der Brünner Werkstatt von Franz Anton Richter (* 1688, † 1765). Das Gehäuse seiner Orgel für die Pfarrkirche St. Peter in der Au (jetzt in der Pfarrkirche St. Georg zu Pürgg) weist Ähnlichkeiten mit denen der Brünner Werkstatt auf.

Die Chororgel wurde als Gegenstück zur Kanzel errichtet. Das geschwungene, reich verzierte Gehäuse wurde, wie auch die Kanzel, von Augsburger Stuckateuren
errichtet. Die besondere Form der Kanzelorgeln ist auch in weiteren Zisterzienserkirchen zu finden, so z.B. in den Stiftskirchen der Kloster Zwettl und Lilienfeld.

Ein besonderer Liebhaber dieser Orgel war Anton Bruckner, der häufig in Wilhering musizierte.

Unsere Restaurierung hatte den gewachsenen Zustand zu respektieren. So revidierten wir das gesamte Instrument. Die Windlade wurde in der Werkstatt teilweise ausgegossen und wieder mit Lederpulpeten und Bleikondukten versehen. Für alle verschlissenen oder durch Wurmfrass beschädigten und dadurch nicht mehr
funktionierenden Bauteile erfolgte ein restauratorischer Austausch.

Eine Fragestellung unserer Restaurierung betraf das nicht als original angesehene und deshalb in den Jahren 1951 bis 1953 entfernte Register Alba 8 '.

Durch unsere Bestandsaufnahme des Pfeifenwerks und die Dokumentation aller Signaturen konnten wir belegen, dass die Tusche-Beschriftung auf dem Überstock dieses Registers von gleicher Handschrift wie an allen originalen Pfeifen ist – die Bestätigung für die Urheberschaft Rummels. Rummel selbst hat, bei seinen durch die Aktenlage belegten Arbeiten an der Orgel im Jahr 1771, dieses Holzregister anstelle von dort vorher vorhandenen Metallpfeifen eingebaut. Wir konnten dieses besondere Register nach früheren Beschreibungen und der Auswertung der Platzverhältnisse auf der Windlade rekonstruieren.

Es freut uns besonders, wenn so eine Zutat sofort ihren Platz im kirchlichen Alltag findet: Wir konnten selbst erleben, wie die Alba bei den täglichen Chorgebeten gut passend zum Einsatz kommt.
 
 
   
 © Orgelbau Kuhn AG   Aktualisierung 29.01.2018    info©orgelbau.ch