Orgelbau Kuhn
 
 
 

Orgelbau Kuhn AG, 2014

Historisierender Neubau

Windladen: Schleifladen
Traktur: mechanisch
Registratur: mechanisch

Einweihung: 22.11.2014

Experte: Michael G. Kaufmann, Markus Uhl
Gehäuseentwurf: Uwe Schacht



Diskografie:
Orgelmusik an den Kuhn-Orgeln der Jesuitenkirche Heidelberg


Bibliografie:
Die Orgeln in der Jesuitenkirche Heidelberg und Orgelweihe - Die neue Chororgel


Links, Downloads:
«Kirchenmusik an der Jesuitenkirche Heidelberg»
Bildergalerie


Querverweise:
Hauptorgel







© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf/Schweiz



Portrait-Nummer 114590
www.orgelbau.ch/op=114590

Heidelberg II/P/18
Deutschland, Baden-Württemberg
Jesuitenkirche, Orgel im Hauptschiff

Disposition (download)

Zweite Orgel für die Jesuitenkirche

Nach dem Bau der grossen Hauptorgel in der Heidelberger Jesuitenkirche im Jahr 2009 wurde uns auch der Bau der neuen Chororgel anvertraut.

Die Aufgabenstellung war spannend: Da die zeitgenössisch gestaltete Hauptorgel bereits über ein breites klangliches Spektrum verfügt, sollte die neue Chororgel als ergänzender Kontrast dazu konzipiert werden, mit einer eindeutig barocken Ausrichtung, welche sich an Instrumenten orientiert, die aus der Bauzeit der Jesuitenkirche stammen.

Das Werkstattbuch der kurpfälzischen Orgelbaudynastie Wiegleb aus dem 18. Jahrhundert bot für diese Idee die ideale Ausgangslage. In der Jesuitenkirche stand bereits einmal eine Orgel der Wiegleb-Dynastie. Die Barockorgel aus der Heiliggeistkirche am Marktplatz, auf der am 25. Juli 1763 Mozart spielte, wurde 1809 in die Jesuitenkirche transferiert.

Von den historischen Wiegleb-Orgeln ist kein Instrument mehr komplett erhalten, es konnte also keine Kopie einer bestehenden Orgel angefertigt werden. Mit Hilfe des Werkstattbuches der Wiegleb-Familie und unserer Erkenntnisse aus verschiedenen Studienfahrten zu historischen Orgeln konnte ein historisierender Orgelneubau gewagt werden. Dabei ging es nicht darum, einen Museumsgegenstand zu schaffen, sondern um eine Neuinterpretation anhand tradierter Vorbilder, ohne den historischen Tatsachen zu widersprechen.

Unsere Studienfahrten führten uns nach Ansbach, aber auch nach Trebel im Wendland, wo sich ein original erhaltenes Instrument des aus Thüringen stammenden Orgelbauers Georg Stein (1777) befindet. Die Wurzeln der Familie Wiegleb sind ebenfalls in Thüringen zu finden. So gibt es ausgeprägte Parallelen des Orgelbaustils auch bei den Pfeifenmensuren. In Trebel befinden sich die Zungenregister, die als Vorbild für die Posaune 16 ' im Pedal und die Trompete 8 ' im Hauptwerk dienten. Um uns der Intonierweise des 18. Jahrhunderts zu nähern, besuchten wir auch die Baumeister-Orgel (1773) in der Klosterkirche zu Maihingen, die bis heute ein kaum verändertes Klangbild aufweist. Die Quellen für die Erstellung der Pfeifenmensuren waren das Wieglebsche Werkstattbuch und Pfeifenmasse aus Bad Windsheim, Gollachostheim, Ansbach und Trebel.

Der Gehäuseentwurf entstand in Anlehnung an die schwungvolle Wiegleb-Orgel in Ansbach. Zusätzlichen Einfluss hatten die Stilelemente der Heidelberger Jesuitenkirche. Das traditionell gefertigte Gehäuse, in seiner selbsttragenden Bauweise aus Massivholz, umschliesst die beiden Manualwerke. Das Pedalwerk und die Windanlage befinden sich in einem einfach gehaltenen Nebengehäuse, hinter dem Hauptgehäuse. Die Windanlage besteht aus zwei Keilbälgen, welche die Orgel mit einem einheitlichen Winddruck versorgen. Bei der Winderzeugung kann zwischen einem elektrischen Gebläse oder dem traditionellen "Bälgetreten" gewählt werden.
 
 
   
 © Orgelbau Kuhn AG   Aktualisierung 30.06.2017    info©orgelbau.ch