Orgelbau Kuhn
 
 
 

Orgelbau Th. Kuhn AG, 1987

Neue Orgel

Windladen: Schleifladen
Traktur: mechanisch
Registratur: elektrisch

Einweihung: 27.09.1987

Experte: Heiner Kühner, Hans Musch, Rudolf Scheidegger
Architekt: Karl Moser
Gehäuseentwurf: Georg Weismann
Intonation: Kurt Baumann



Diskografie:
Gershwin: Rhapsody in Blue - Pink Floyd: The dark Side of the Moon
Organ Impressions
Orgelwerke


Links, Downloads:
«Kuhn-Hebel» (Erläuterung)



© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf, Charles-André Schleppy



Portrait-Nummer 113180
www.orgelbau.ch/op=113180

Basel III/P/53
Schweiz, Basel-Stadt
Ref. Pauluskirche

Ein Juwel des Jugendstils

Die ehemalige Orgel der Pauluskirche stammte aus dem Jahre 1901 und war ein Werk des Orgelbauers Jakob Zimmermann (1860-1929), welcher im Jahre 1892 die von Karl Weigle 1885 gegründete Basler Filiale der Orgelbaufirma Carl G. Weigle in Stuttgart-Echterdingen auf eigene Rechnung übernommen hatte.

Dieses pneumatische Orgelwerk (III/P/35) war 1939/41 sowohl im Innern wie auch in der äusseren Erscheinung (Gehäuse und Prospekt) verändert worden, musste aber weiterhin seinen Dienst tun. Die technische Zuverlässigkeit konnte immer weniger befriedigen, sodass man schliesslich eine Erneuerung der Orgel ins Auge fasste. Aber schon 1981 hielt die damalige Orgelkommission unter anderem fest:

Der intakte Raum, der Zustand des Gehäuses sowie die Klangqualität eines grossen Teils der Register führen zur Forderung nach einem Neubau in rekonstruierendem Sinne; d. h. es soll ein Instrument erstellt werden, wie es unter idealen Voraussetzungen anno 1901 in der Pauluskirche hätte stehen können.

Diese Weichenstellung seitens der Behörde war auch für uns verpflichtend. Der amputierte Pfeifenprospekt war wieder in seiner vollen Originalgestalt herzustellen. Glücklicherweise war das grosse Medaillon erhalten geblieben, nur die verschwundenen 16 ' - Pfeifen mussten rekonstruiert werden. Der Jugendstil schätzte den Silberglanz von hochprozentigen Zinnpfeifen nicht sonderlich, mit Aluminiumbronze gespritzte Zinkpfeifen waren ihm lieber. Hier war seinerzeit jedoch eine andere Lösung des Problems gefunden worden: die Prospektpfeifen wurden in Naturgussmetall gefertigt (50 % Zinngehalt, sogenanntes spotted metal). Entsprechend haben wir hier auch rekonstruiert. Die vor den Pfeifen durchlaufenden metallenen Ornamentbänder, ein typisches Merkmal des Jugendstils, wurden ebenfalls restauriert beziehungsweise rekonstruiert.

Von den insgesamt 53 klingenden Registern der heutigen Orgel stammen 30 ganz oder teilweise vom alten Instrument. Auch bei den neuen Zusatzregistern sind romantische Grund- und Solostimmen zu finden (z. B. Doppelflöte, Viola, Violoncello, Klarinette). Das erneuerte Werk ist deshalb vor allem für die Wiedergabe der romantischen Orgelmusik hervorragend geeignet.

Die neue Orgel wurde mit Schleifladen und mechanischer Traktur gebaut. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Technik gewidmet. Ein dreimanualiges Werk mit sechs Normalkoppeln ist bei rein barocker Disposition noch einigermassen bequem spielbar. Bei ausgeprägt romantischer Disposition wie im vorliegenden Fall stösst die reine Mechanik jedoch an Grenzen. Mit miniaturisierten Elementen aus der Barkertechnik konstruierten wir hier eine Kopplungshilfe, welche die an sich durchlaufende Mechanik teilweise entlastet. Diese von uns intern «Basler Hebel» genannte Einrichtung war sehr erfolgreich und führte uns in späteren Entwicklungsschritten auch zu neuartigen Barkermaschinen, die wir «Kuhn-Hebel» nennen.

Friedrich Jakob, 2006
 
 
   
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