Orgelbau Kuhn
 
 
 

Orgelbau Kuhn AG + Orgelbau Joh. Klais, 2004

Restaurierung

Orgel erbaut von:
Joseph Gabler, 1734 / 1753

Windladen: Schleifladen
Traktur: mechanisch
Registratur: mechanisch

Einweihung: 10.10.2004

Experte: Dieter Hauffe, Johannes Mayr, Helmut Nohanowitsch, Andreas Denzel, Manfred Kilia
Intonation: Raymond Petzold



Diskografie:
Die schönsten Orgeln 2013
Harmonia Organica - Ehemalige Benediktiner-Reichsabtei Ochsenhausen - Ochsenhauser Orgelbuch (1735) - Musik in Oberschwäbischen Klöstern
Kein besseres Werkh nirgend ... als zu Ochsenhausen


Bibliografie:
Die Sanierung der Gabler-Orgel in Ochsenhausen
Ochsenhauser Orgelbuch - Harmonia Organica


Links, Downloads:
«Kuhn Balgsteuerung» (Erläuterung)


Querverweise:
Gabler-Orgel Weingarten





© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf



Portrait-Nummer 801300
www.orgelbau.ch/op=801300

Ochsenhausen IV/P/49
Deutschland, Baden-Württemberg
Ehem. Abteikirche St. Georg

Disposition (download)

Komplexe Spurensuche

Die berühmte Gabler-Orgel in Ochsenhausen stellte eine der grössten Herausforderungen für die Restaurierungspraxis der Gegenwart dar. Sie anzupacken bedeutete eine Reise durch zahlreiche Umbauphasen zurück ins Jahr 1734, immer auf der Suche nach der Beweisbarkeit der verschiedenen Bausituationen. Gablers Erstlingswerk war ein kühner Entwurf. Seine visionäre Konzeption brachte hinsichtlich Trakturführung und Windversorgung jedoch einige Schwierigkeiten mit sich. Generationen von Orgelbauern - angeführt von Gablers eigenem Umbau im Jahre 1753 - nahmen in der Folge immer wieder Veränderungen vor. Diese führten letztlich zum Verlust der originalen technischen Anlage. Lediglich das Pfeifenwerk blieb weitestgehend erhalten.

Bei dieser komplexen Ausgangslage gestaltete sich die Frage nach dem Restaurierungsziel besonders schwierig. Die Wiedergewinnung im ursprünglichen Sinn war theoretisch ebenso möglich wie die Realisierung eines Bauzustandes, der alle Umformungen des 19. Jahrhunderts berücksichtigt. Vor ein fast unlösbares Puzzle stellte uns das ambitionierte Projekt, das im Laufe der Zeit ausgebaute Originalmaterial wieder in das Werk zu integrieren. Akribische Nachforschungen ergaben schliesslich, dass Gablers Bausituation von 1753 am besten verifizierbar war. Somit war auch das Ziel unserer Restaurierung klar definiert.

Wir bestritten diesen Auftrag in einer interessanten und fruchtbaren Zusammenarbeit mit Orgelbau Klais, Bonn. Unsere Erfahrungen bei der Restaurierung der Gabler-Orgel von Weingarten, vor allem aber Geduld, kritisches Hinterfragen und nicht zuletzt der gemeinsame Wille, hier Überdurchschnittliches zu leisten, führten zu einem überzeugenden Ergebnis.

Was bewog zwei Orgelbaufirmen mit je eigener, bestens ausgewiesener Restaurierungsabteilung, als Bietergemeinschaft aufzutreten?

Die Idee zu dieser projektbezogenen Zusammenarbeit ist unabhängig voneinander in beiden Werkstätten gereift. Intensive Gespräche führten dann zum Entschluss, das Projekt gemeinsam anzubieten.

Die Gabler-Orgel in Ochsenhausen stellte eine der grössten Herausforderungen für die Orgelrestaurierung der Gegenwart dar.

Die kumulierte Fachkompetenz zweier hochqualifizierter Restaurierungsteams unter der Leitung der Herren Wolfgang Rehn und Hans-Wolfgang Theobald hat den Gesamterfolg der Restaurierung erhöht.

Die gemeinsame Wahrnehmung von Schlüsselaufgaben wie zum Beispiel die Demontage der Orgel oder die Erarbeitung des Restaurierungskonzeptes ermöglichte, dass dem erfahrenen Restaurator ein ebenbürtiger Praktiker gegenüberstand, der sozusagen als "advocatus diaboli" zum richtigen Zeitpunkt die wichtigen Fragen stellte und scheinbar Selbstverständliches hinterfragte. Das Wissen, welches sich bei der Restaurierung der Gabler-Orgel in Weingarten angesammelt hatte, und die Personen, welche jene Restaurierung ausgeführt hatten, konnten in das Projekt Ochsenhausen eingebunden werden. Gute persönliche Kontakte zwischen den Häusern Kuhn und Klais waren auf der Ebene vieler Mitarbeitenden, bei den Exponenten der Restaurierungsteams ebenso wie bei der Geschäftsleitung bereits vorhanden.

Der Erfolg einer solchen Zusammenarbeit steht und fällt mit der Bereitschaft aller Beteiligten, den Namen der eigenen Werkstatt dem Restaurierungsziel unterzuordnen. Und ist es nicht diese Unterordnung, die einen guten Restaurator ohnehin auszeichnet? Durch die solidarische Übernahme der Verantwortung entstand ein gegenseitiges Befruchten, ein intensiver Austausch und ein spannender Lernprozess.

Wir haben uns auf diese Herausforderung gefreut und dürfen heute feststellen, dass sich der Mut, dieses Projekt gemeinsam mit einem Partner anzugehen, gelohnt hat. Ein Klima der gegenseitigen Achtung und des Willens zur konstruktiven Zusammenarbeit haben zu einem überzeugenden Restaurierungsergebnis geführt. Für alle Beteiligten stellte die Kooperation eine zusätzliche Aufgabe dar, die jedem viele neue Erfahrungen ermöglichte.

Gemeinsam haben wir ein komplexes Werk vollbracht, das uns mit unvergesslichen Momenten in Erinnerung bleiben wird. Wir möchten allen Beteiligten unseren tiefen Dank aussprechen für das uns entgegengebrachte Vertrauen und die allseits gute und anregende Zusammenarbeit. Einen ganz besonderen Wunsch richten wir an die Gabler-Orgel selbst: Möge sie noch über Generationen zur Freude unzähliger Herzen erklingen!

Orgelbau Kuhn AG
Dieter Utz, Wolfgang Rehn

Orgelbau Joh. Klais GmbH & Co. KG
Philipp Klais, Hans-Wolfgang Theobald
 
 
   
 © Orgelbau Kuhn AG   Aktualisierung 29.01.2018    info©orgelbau.ch