Oslo

III/P/53

Norwegen, Oslo
Uranienborg-Kirche

© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf

Eine wechselvolle Geschichte

Seit der Wikingerzeit ist Oslo von Entdeckergeist geprägt. Ein solcher war auch für die Arbeiten am 120 Jahre alten Werk von Uranienborg gefragt. Zahlreiche Narben zeugten von einer wechselvollen Biographie mit vielen Umbauphasen. Eine Rückführung in die viel kleinere Originalform kam aus musikalischen Gründen nicht in Frage. Ebenso wenig eine Konservierung des gewachsenen Zustandes. Bei allem Wohlwollen: Hierfür fehlte es an Qualität. So war denn die technische Erneuerung sicher die beste Option.

Um der historischen Bedeutung der Orgel gerecht zu werden, sollten die Gehäusefront aus dem Jahre 1884 und möglichst viele alte Register weiter verwendet werden. Angesichts des hybriden, sozusagen bunt gemischten Pfeifenwerks war dies kein leichtes Unterfangen. Die grösste Herausforderung war, ein kohärentes Klangkonzept zu schaffen, das gleichzeitig den ursprünglichen Charakter soweit möglich wahrt. Beim analytischen Abhören entdeckten wir vor allem in den Grundstimmen der 16-, 8- und 4-Fusslage versteckte Werte. Diese bilden nun das klangliche Grundgerüst.

Das neue Werk lässt keinen Zweifel an seiner romantischen Herkunft nordischer Prägung: Herrlich warm klingende Flöten- und Streicherregister, die verschiedenste Klangfarben in unzähligen dynamischen Schattierungen hervorbringen, milde Aliquoten und mischfähige Zungen für wahrhaft orchestrale Gravität. Neuzeitliche Orgeltechnik hält sich hier zur Verfügung eines grandiosen Orgelklangs, dessen Wurzeln ins 19. Jahrhundert zurückreichen.

Als Besonderheit nutzten wir den Platz hinter dem Altar für ein Fernwerk. Dieses lässt sich sowohl von der Hauptorgel als auch separat von einem kleinen Spieltisch im Chor spielen. - Eine einzigartige Orgellandschaft in einer Kirche, die schon allein ihrer Akustik wegen zum Musizieren einlädt.