Orgelbau Kuhn AG, 2021

Neue Orgel

Windladen
Schleifladen
Traktur
mechanisch
Registratur
elektrisch
Einweihung
28.11.2021
Experte
Thomas Haller, Friedemann Johannes Wieland
Gehäuseentwurf
Claude Lardon

Disposition


www.orgelbau.ch/op=114750

Ulm

II/P/17

Deutschland, Baden-Württemberg
Münster

© Bilder Orgelbau Kuhn AG

Orgelbau Kuhn AG, 2021

Neue Orgel

Windladen
Schleifladen
Traktur
mechanisch
Registratur
elektrisch
Einweihung
28.11.2021
Experte
Thomas Haller, Friedemann Johannes Wieland
Gehäuseentwurf
Claude Lardon

Eine neue Chororgel für das Ulmer Münster

Das Ulmer Münster, dessen Grundstein im 14. Jh. gelegt wurde, hat eine bewegte Baugeschichte, auch hinsichtlich der Königin der Instrumente. Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Firma Walcker mit zwei der grössten Arbeiten ihrer Geschichte: 1856 mit der damals sagenhaften Zahl von 100 Registern und 1969 unter gewandelten ästhetischen Vorzeichen noch einmal mit 100 Registern. Das erstere Instrument fand die Bewunderung keines geringeren als Aristide Cavaillé-Colls, der in Saint-Sulpice zu Paris wenig später ebenso die magische 100 erreichte.

Eine 20 Register umfassende zweimanualige Orgel für den grosszügigen Chorraum wurde 1960 von der Firma Rieger erstellt. Dieses Instrument hätte nach vielen Dienstjahren einer aufwändigen Revision unterzogen werden müssen. So entschied man sich für einen Neubau, wobei ein Ausschreibungsverfahren zum Zuschlag an Orgelbau Kuhn führte. Das neue Instrument soll sich für solistische Aufgaben genauso eignen wie für Begleitzwecke und einen französisch-romantischen Schwerpunkt aufweisen.

In enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen wurde ein Dispositionskonzept mit 17 klingenden Registern, drei Transmissionen und einer Verlängerung erarbeitet. Entsprechend des stilistischen Vorbilds sind ein kräftiges Hauptmanual (Grand Orgue) und ein expressiv-poetisches Schwellwerk (Récit) vorgesehen. Ebenso weist die Disposition eine Vielzahl von 8 '-Stimmen auf, wobei charakteristische Register wie das Basson-Hautbois 8 ' oder die Voix céleste 8 ' selbstverständlich nicht fehlen dürfen. Gleichzeitig ermöglicht die Disposition aber auch die adäquate Darstellung von Literatur vor dem 19. Jh., etwa dank einer lückenlosen Prinzipalpyramide bis zur Mixtur oder der Aliquotstimmen im ersten Manual.

Die Tontraktur des Instruments ist mechanisch und mit traditionellen Schleifladen verbunden, die Registertraktur ist elektrisch. Die neue Chororgel wird an derselben Stelle montiert wie die bisherige, verfügt aber aufgrund ihres stilistischen Schwerpunkts nicht mehr über ein Rückpositiv. Die Gehäusegestaltung reflektiert den emporstrebenden Geist der wunderbaren Gotik des Münsters und fügt sich unaufdringlich in den grossartigen Chorraum ein.

Michael Meyer