Faszination Orgelbau

 

 

Orgelbau Th. Kuhn AG, 1960

Restaurierung

Orgel erbaut von
Andreas Putz, 1634
Windladen
Schleifladen
Traktur
mechanisch
Registratur
mechanisch
Einweihung
Pfingsten 1960
Experte
Egon Krauss
Intonation
H.-J. Schacht / Paul Beurtin (Zungen)

Disposition


www.orgelbau.ch/op=800150

Schlägl

II/P/22

Österreich, Oberösterreich
Stiftskirche

© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf

Orgelbau Th. Kuhn AG, 1960

Restaurierung

Orgel erbaut von
Andreas Putz, 1634
Windladen
Schleifladen
Traktur
mechanisch
Registratur
mechanisch
Einweihung
Pfingsten 1960
Experte
Egon Krauss
Intonation
H.-J. Schacht / Paul Beurtin (Zungen)

Die grosse Orgel der Stiftskirche zu Schlägl wurde im Jahre 1634 vom tüchtigen Passauer Orgelmacher Andreas Putz gebaut. Sie ist das besterhaltene Werk dieses Meisters, von dem wir wissen, dass er unter anderen auch die grossartige Orgel in Lienz sowie bedeutende Werke in Innichen und Brixen gebaut hatte. Die nun 326 Jahre alte Schlägler Orgel ist die älteste Orgel Oberösterreichs und gehört mit der Klosterneuburger Festorgel (1555/1642) und der Innsbrucker Hofkirchenorgel (1561) zu den drei berühmtesten Orgeln Österreichs aus der Blütezeit des alpenländischen Orgelbaus im 16. und 17. Jahrhundert.

Die Schlägler Orgel ist 1702 durch eine Feuersbrunst beschädigt und 1708 durch Orgelmacher Johann Christoph Egedacher wieder instand gesetzt worden. Dabei wurde sie schon etwas verändert und im Chorton neu gestimmt. Einschneidendere Reparaturen führte Josef Breinbauer im Jahre 1853 durch und schliesslich wurde dem romantischen Geschmack der Zeit entsprechend im Jahre 1904 ein pneumatisches Zusatzwerk durch Orgelbauer Lachmayr, Linz, nebst Dispositionsveränderungen der Orgel zugefügt.

Die nun nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten durchgeführte Restaurierung hat die Veränderungen und Zusätze der späteren Stilepochen wieder rückgängig gemacht bzw. entfernt. Die deutlich erkennbare ursprüngliche Form von 1634 wurde wiederhergestellt. Diese Wiederherstellungen betreffen vor allem die ursprünglichen Zusammensetzungen der so wichtigen gemischten Stimmen Mixturen und Zimbel sowie die Rekonstruktion der verlorengegangenen Zungenregister. Die nicht mehr originale, durch Breinbauer ersetzte Mechanik und Spielanlage war wenig zweckmässig angelegt und verbraucht. Sie wurde durch eine technisch moderne ersetzt, die durch ihre Feinfühligkeit die spielerische Ausnützung der hohen Klangqualitäten der mit offener Windführung intonierten Pfeifen ermöglicht. Während Hauptwerk und Pedal noch die alten Schleifenwindladen von Andreas Putz besitzen und daher mit kurzer Octave und 45 bzw. 19 Tönen Umfang ausgestattet sind, musste die Positivwindlade, die von Egedacher stammte und gänzlich wurmzerfressen war, erneuert werden. Dadurch war es möglich, das Positiv um die vier Halbtöne der tiefen Oktave zu erweitern und ihm 49 Töne Umfang zu geben.

Das reichgeschmückte Gehäuse der Orgel, von Georg Obermayr aus Passau stammend, wurde durch Restaurator Josef Watzinger, Salzburg, in der ursprünglichen Fassung wiederhergestellt. Es ist eine Besonderheit dieser Orgel, dass sie zur Gänze vorne in der Musikchorbrüstung mit beträchtlichem Abstand von der Kirchenrück-wand steht und nicht nur den aus den Hauptprincipalen gebildeten vorderen Prospekt besitzt, sondern auch einen rückwärtigen, der aus den Pfeifen des Registers Octave 8 ' des Pedals besteht.

E.K.

Quelle: Einweihungsschrift 1960


Disposition


www.orgelbau.ch/op=800150