Faszination Orgelbau

 

 

Orgelbau Kuhn AG, 2003

Restaurierung

Orgel erbaut von
Silvester Walpen, 1844 / 1853
Windladen
Schleifladen
Traktur
mechanisch
Registratur
mechanisch
Einweihung
22.11.2003
Experte
Rudolf Bruhin
Intonation
Rudolf Aebischer


www.orgelbau.ch/op=801260

Luzern

II/P/27

Schweiz, Luzern
Hofkirche St. Leodegar, Chororgel über Mariae End-Altar

© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf

Orgelbau Kuhn AG, 2003

Restaurierung

Orgel erbaut von
Silvester Walpen, 1844 / 1853
Windladen
Schleifladen
Traktur
mechanisch
Registratur
mechanisch
Einweihung
22.11.2003
Experte
Rudolf Bruhin
Intonation
Rudolf Aebischer

Eine alte Orgel schöpft neuen Atem

Die Geschichte der Restaurierung der Walpen-Orgel ist die Geschichte einer einmaligen Rettung. Diese aussergewöhnliche Chororgel in der Hofkirche Luzern wurde 1842 von Thomas Silvester Walpen (1802-1857) erbaut und ist die einzige, die von ihm erhalten ist. Sie war ursprünglich mit rein mechanischen Spiel- und Registertrakturen ausgestattet, die jedoch 1941 durch pneumatische Steuerungen ersetzt wurden. In der Folge wurde das kostbare Instrument anfällig und war seit Jahren nicht mehr spielbar.

Das Besondere an der Walpen-Orgel ist ihre ungewöhnliche und raffinierte Doppelfunktion dank zweier unterschiedlich ausgerichteter Prospekte mit je einem Manual. Neben dem prunkvollen Hauptprospekt (I. Manual), welcher über den Mariä-End-Altar direkt ins Seitenschiff blickt und klanglich bis ins Hauptschiff wirkt, besass sie einen Chor-Pfeifenprospekt mit Blick und Wirkung auf die Empore.

Doch bereits rund zehn Jahre nach dem Neubau musste Walpen dieses originelle Instrument umgestalten und neu platzieren. Es wurde bemängelt, dass vom Spieltisch aus das an sich leisere II. Manual lauter töne als das stärkere I. Manual, was dem Organisten hinderlich sei. Offenbar missverstand man damals, was die Raffinesse dieser Konzeption ausmacht. Unser Restaurierungsziel war, die Orgel in ihrer Doppelfunktion wieder so herzustellen, wie der Erbauer sie ursprünglich geplant hatte. Sie wurde exakt auf ihren Standort von 1842 zurückversetzt. Der Erhaltung der historischen Pfeifensubstanz von 1853 wurde allerdings der Vorrang vor einem nicht in allen Einzelheiten beweisbaren Vorzustand gegeben, weshalb die klanglichen Veränderungen Walpens von 1853 beibehalten wurden.

Die 1941 eingebauten Bauteile der Pneumatik wurden wieder entfernt und durch eine mechanische Spiel- und Registertraktur im Stil der Erbauungszeit der Orgel ersetzt. Die Keilbalganlage konnte aus originalen Teilen rekonstruiert werden. Der "frische Wind" strömt nun wieder durch die alten Bälge und Kanäle und trägt dank der authentischen Windanlage nicht unwesentlich dazu bei, dass wir heute wieder das ursprüngliche Klangbild Walpens erleben können.

Zu guter Letzt galt es nun noch, die Ansicht des rückwärtigen Prospekts zu gestalten, von der leider keinerlei Angaben überliefert sind. In Zusammenarbeit mit den Vertretern der Denkmalpflege entschloss man sich, auf den Versuch einer Rekonstruktion zu verzichten und statt dessen die Gehäuseöffnungen mit einem hölzernen Gitterwerk zu schliessen. Ein «Kompromiss» der aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten absolut Sinn macht und als gelungen zu werten ist.