Faszination Orgelbau

 

 

Orgelbau Kuhn AG, 2010

Restaurierung

Orgel erbaut von
Johann Ignaz Egedacher, 1715
Windladen
Schleifladen
Traktur
mechanisch
Registratur
mechanisch
Einweihung
09.10.2010
Experte
Siegfried Adlberger
Intonation
Gunter Böhme


www.orgelbau.ch/op=801500

Kallham

I/P/9

Österreich, Oberösterreich
Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt

© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf

Orgelbau Kuhn AG, 2010

Restaurierung

Orgel erbaut von
Johann Ignaz Egedacher, 1715
Windladen
Schleifladen
Traktur
mechanisch
Registratur
mechanisch
Einweihung
09.10.2010
Experte
Siegfried Adlberger
Intonation
Gunter Böhme

Ein Kleinod in einer grossen Kirche

Die frühe Geschichte der Orgel der Pfarrkirche Kallham in Oberrösterreich liegt etwas im Dunkeln. Vermutungen gehen dahin, dass es sich um ein Werk des Passauer Orgelbauers Ignaz Egedacher handelt. Bestimmte Detailausführungen der von uns restaurierten Orgel in Vornbach weisen in dieselbe Richtung. Die technische Anlage der Orgel zeigt auf sehr frühe Veränderungen hin, welche wahrscheinlich bereits beim Bau der Orgel realisiert wurden. Ventilordnung und Pfeifenaufstellung lassen einen geplanten 4 ' - Prospekt erkennen, welcher aber nach unten ergänzt als Principal 8 ' ausgeführt wurde. Möglicherweise stehen diese Eingriffe im Zusammenhang mit dem Einbau der relativ kleinen Orgel in der grossen Pfarrkirche.

Später im 19. Jahrhundert wurde das Pedal um den Principalbass 16 ' erweitert (Zusatzlade hinter dem Gehäuse) und der Pedalumfang von C-g (kurze tiefe Oktave) auf C-H (mit den Pfeifen C#, D#, F# und G#) verändert.

Eine «Restaurierung» in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts hatte den Verlust der Balganlage, der Kanäle sowie von Bauteilen der Windladen und Trakturen zur Folge. Durch qualitative Mängel und ungenügende Pflege wurde die Orgel mit der Zeit praktisch unspielbar, so dass die Pfarrei den Umbau der Orgel oder den Bau einer neuen, dem grossen Kirchenraum entsprechende Orgel anstrebte. Die Vertreter der Denkmalpflege sprachen sich aber gegen die Vergrösserung oder gar die Entfernung der alten Orgel aus. Der Kompromiss bestand letztlich darin, eine Elektronenorgel anzuschaffen, welche auf der unteren Empore aufgestellt wurde, und auch die alte Orgel zu restaurieren.

Naturgemäss stehen wir als Orgelbauer elektronischen Instrumenten eher skeptisch gegenüber. In diesem Fall heiligte aber auch aus unserer Sicht der Zweck die Mittel, um dieses Kleinod an seinem Platz erhalten zu können. Im selben Raum stehen nun 9 Register der Pfeifenorgel zahlreichen elektronischen gegenüber. Ein interessanter Vergleich.

Die Restaurierungsarbeiten umfassten die technische Instandsetzung des Werkes in allen Bereichen auf den Bauzustand des 19. Jahrhunderts. Windkästen, Ventile, Kanäle und die veränderten Bauteile der Mechanik wurden auf der Grundlage der erhaltenen Spuren rekonstruiert. Die Balganlage wurde wieder neben der Orgel platziert.



www.orgelbau.ch/op=801500