Faszination Orgelbau

 

 

Orgelbau Kuhn AG, 2013

Restaurierung

Orgel erbaut von
unbekannt, 1699
Windladen
Schleifladen
Traktur
mechanisch
Registratur
mechanisch
Einweihung
24.11.2013
Intonation
Rudolf Aebischer


www.orgelbau.ch/op=801580

Feldkirch

I/5

Österreich, Vorarlberg
Dom

© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf

Orgelbau Kuhn AG, 2013

Restaurierung

Orgel erbaut von
unbekannt, 1699
Windladen
Schleifladen
Traktur
mechanisch
Registratur
mechanisch
Einweihung
24.11.2013
Intonation
Rudolf Aebischer

Das Positiv aus dem Jahre 1699 befand sich vor seiner Restaurierung in einem unspielbaren Zustand. Den Quellen*1 nach befand sich das Instrument früher in der Kirche in Brederis (es existiert ein Foto der Orgel an diesem Aufstellungsort). Der Erbauer des Orgelpositivs ist nicht bekannt. Viele Parallelen in den Ausführungen deuten auf den gleichen Orgelbauer hin, der das Positiv (1687) im Liechtensteiner Landesmuseum erbaute, welches von uns 2002 restauriert wurde.

In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erfuhr die Orgel markante Eingriffe. Der Unterbau des Gehäuses wurde entfernt und die beiden mehrfaltigen Keilbälge auf das Dach der Orgel verlegt. Die Orgel wurde auf einen neuen Tisch montiert, an welchem ein elektrisches Gebläse zur Windversorgung angebracht wurde. Dazu erhielt das Gehäuse eine neue Fassung (blaugrau marmoriert). Trotz dieser Veränderungen besass die Orgel noch eine erstaunliche Menge originaler Substanz. Dies bezieht sich sowohl auf Pfeifenwerk, Windlade, Spieltraktur, Registratur und Gehäuseoberteil als auch auf die beiden Bälge. Der Zustand dieser Teile war durch Abnutzung, Holzwurmbefall und unzulängliche Reparaturarbeiten objektiv sehr schlecht. Sehr viele Metallpfeifen waren gegenüber ihrer alten Signatur vollkommen verstellt platziert, viele Pfeifenkörper nachgeschnitten.

Man kann es als Glücksfall werten, dass der Anschlusskanal der Bälge erhalten geblieben ist und so die exakte Position der Bälge im Gehäuseunterbau bestimmt werden konnte. Ebenso war an den Spuren am Gehäuse die ursprüngliche Kalkantenanlage deutlich ablesbar. Das Foto der Orgel im Bauzustand vor 1960 war selbstverständlich auch eine hervorragende Grundlage für die Rekonstruktion des Gehäuseunterbaus. Sämtliche alten Pfeifen wurden ihrer alten Signatur entsprechend platziert.

Die Instandsetzungsarbeiten gestalteten sich unterschiedlich aufwändig. Vor allem die stark verwurmten und mehrfach neu belederten und papierten Bälge erforderten einen extrem hohen Restaurierungsaufwand. Gleiches gilt für das Pfeifenwerk, wobei nur einzelne Fremdpfeifen erneuert wurden. Dagegen konnte man sich bei der Ton- und Registermechanik weitgehend auf Revisions- und Einstellungsarbeiten beschränken.

Die Orgel konnte im technischen Bereich durch die erhaltene Substanz, die Quellenlage und die klaren Befunde am Instrument auf den beweisbaren Originalzustand restauriert und rekonstruiert werden. Vom Pfeifenmaterial her gilt dies grundsätzlich auch für den klanglichen Bereich, wobei alle Eingriffe einer über 300-jährigen Geschichte natürlich nicht mehr vollkommen nachvollziehbar sind. Aufschnitthöhen und Kernbehandlungen blieben deshalb bis auf ganz wenige Einzelfälle unverändert. Ebenso die Stimmtonhöhe der Orgel (a = 427,0 Hz bei 20 °). Die Temperierung erfolgte nach Kirnberger III, leich modifiziert.

*1 Österreichische Kunsttopographie; Band XXXII: Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Feldkirch, bearbeitet von Dagobert Frey; Wien 1958)



www.orgelbau.ch/op=801580