Faszination Orgelbau

 

 

Johann Nepomuk Kuhn, 1875

Neue Orgel

Windladen
Kegelladen
Traktur
mechanisch
Registratur
mechanisch
Experte
H. Szadrowsky, P. Anselm Schubiger, J. G. E. Stehle

www.orgelbau.ch/op=100300

St. Gallen

III/P/55

Schweiz, St. Gallen
Dom

© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf

Johann Nepomuk Kuhn, 1875

Neue Orgel

Windladen
Kegelladen
Traktur
mechanisch
Registratur
mechanisch
Experte
H. Szadrowsky, P. Anselm Schubiger, J. G. E. Stehle

Die Kirche des irischen Wandermönchs Gallus

Auf dem pergamentenen Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert sind zwar die Weinfässer im Keller und das Kräutergärtlein eingezeichnet, aber noch keine Orgeln. Trotzdem reicht die Geschichte der Orgeln weit ins Mittelalter zurück. Hier soll aber nur die Geschichte seit dem Umbau der Basilika in die heutige hochbarocke Kirche von 1755/66 kurz aufgezeigt werden. Kathedrale, d.h. Bischofssitz, wurde die Kirche übrigens erst im Jahre 1823/36, nachdem 1805 das Benediktinerstift aufgehoben worden war.

Im barocken Neubau begnügte man sich lange Zeit mit den zwei spiegelbildlich angeordneten Chororgeln. Sie wurden am 15. Juli 1766 in Auftrag gegeben und 1768/70 von Viktor Ferdinand Bossard (1699-1772) gebaut. Sie stehen seitlich über dem Chorgestühl, die beiden Spieltische sind links und rechts ins Gestühl eingebaut. Nach einer Pneumatisierung der Orgeln durch Franz Gattringer im Jahre 1939 wurden sie 1966/67 durch Orgelbau Mathis restauriert.

Erst in den Jahren 1808/10 wurde in der Kirche eine grosse Westempore eingebaut. Sie war nötig für eine neue grosse Orgel, welche 1811/15 von Franz Frosch (1756-1829) aus München und dessen Sohn Josef (1785-1868) erbaut wurde. Dieses Instrument umfasste vier Manuale und Pedal mit 60 Registern und 3476 Pfeifen. Das Orgelgehäuse wurde 1811 dem Stukkateur und Bildhauer Josef Simon Mosbrugger aus Tschoppernau (Bregenzer Wald) in Auftrag gegeben, welcher 1808/10 bereits den neuen Hochaltar geschaffen hatte. Das Prospektbild war etwas eigenartig. Es bestand aus vier etwa gleichgrossen, flach gehaltenen 16 ' - Türmen, je zwei links und rechts, und einem sehr viel niedrigeren Mittelstück. Die barocken Grundformen wirken bereits etwas steif, das Akantuslaub der Ornamentik ist klassizistisch erstarrt.

Von 1872 bis 1875 baute Johann Nepomuk Kuhn diese Frosch-Orgel völlig um. Das neue Werk mit mechanischen Kegelladen besass nur noch drei Manuale und 55 Register, wovon 14 ganz oder teilweise neu gefertigt wurden. Die übrigen 41 Register wurden aus dem Altbestand übernommen, das Gehäuse blieb unverändert.

Friedrich Jakob, 2007