Gstaad

II/P/10

Schweiz, Bern
St. Niklaus Kapelle

© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf/Schweiz

Sanierung der Orgel im Kirchlein Gstaad

Die St. Niklaus Kapelle in Gstaad wurde im Jahr 1402 erbaut und steht mitten im Dorfzentrum, das seit dem Bau der Umfahrungsstrasse verkehrsfrei ist.

Die zweimanualige Orgel wurde 1957 von der Firma Kuhn mit neun Registern gebaut. Sie befindet sich über dem Haupteingang der Kirche und fügt sich gestalterisch überzeugend in den Raum ein. Der Spieltisch wurde 1957 unter der Orgel platziert, um 90 Grad gedreht. Dieses Konzept ist zwar platzsparend, hat aber zwei gravierende Nachteile: Erstens hört der Organist sein Instrument nur indirekt und zweitens erfordert diese Anordnung eine aussergewöhnlich komplizierte und unzugängliche Führung der mechanischen Traktur.

Die Kirchgemeinde hatte sich 2016 dazu entschlossen, eine umfassende Orgelsanierung durchführen zu lassen, die über die normale Reinigung und Instandstellung hinausgeht. Von Anfang an stand fest, dass sich das äussere Erscheinungsbild der Orgel nicht ändern darf. Die problematische Spieltischposition sowie die komplizierte Traktur wollte man jedoch grundlegend verbessern. Gleichzeitig bestand der Wunsch, die Disposition um zwei zusätzliche Register zu erweitern.

Die Sanierung wurde Ende November 2017 erfolgreich abgeschlossen. Die Prospektgestaltung sowie sämtliche Innenpfeifen der Orgel von 1957 wurden übernommen. Im Hauptwerk wurden zwei zusätzliche Register hinzugefügt: Quinte 2 2/3 ' und Octave 2 '. Somit verfügt die Orgel neu über 11 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Ganz neu gebaut wurden der Spieltisch, die Traktur, die Windladen und die Windversorgung.

Der Spieltisch befindet sich neu auf der rechten Seite der Orgel. Der Organist sitzt nicht mehr unter seinem Instrument sondern davor. Er hat an dieser Position eine wesentlich bessere Klangkontrolle, d.h. er hört hier die Orgel und die singende Gemeinde viel deutlicher als am alten Standort. Die Spieltraktur besteht aus feinen Stäbchen aus Fichtenholz und führt sichtbar - als lichtdurchlässiges Trakturband - vom Spieltisch nach oben in das Orgelwerk. Durch die neue Spieltischposition wurde der gesamte Eingangsbereich auch architektonisch aufgewertet, denn die vorher teilweise verdeckten Wandmalereien kommen jetzt wieder schön zur Geltung.