Faszination Orgelbau

 

 

Orgelbau Kuhn AG, 2012

Restaurierung

Orgel erbaut von
Orgelbau Fuetsch, 1903
Windladen
Kegelladen
Traktur
pneumatisch
Registratur
pneumatisch
Einweihung
12.08.2012
Experte
Adrian Georg Gstrein
Intonation
Antonello Puglia

Disposition


www.orgelbau.ch/op=504270

Innervillgraten

II/P/18

Österreich, Tirol
Kath. Pfarrkirche St. Martin

Orgelbau Kuhn AG, 2012

Restaurierung

Orgel erbaut von
Orgelbau Fuetsch, 1903
Windladen
Kegelladen
Traktur
pneumatisch
Registratur
pneumatisch
Einweihung
12.08.2012
Experte
Adrian Georg Gstrein
Intonation
Antonello Puglia

Authentisch-romantischer Klangcharakter

Die Orgel der Pfarrkirche Innervillgraten kann als sehr gutes Beispiel dafür dienen, dass es für unsere Restauratoren nicht nur «die Glanzlichter» des Orgelbaus sind, welche ihren vollen Einsatz an Erfahrung und handwerklichem Können rechtfertigen.

Das vom Orgelbauer Alois Fuetsch aus Lienz im Jahre 1903 erbaute Instrument kann aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten als ein Werk von regionaler Bedeutung gelten. Aber in Anbetracht des Verlusts vieler pneumatisch gesteuerter Orgeln mit Registerkanzellen, kommt dem Instrument heute mit Sicherheit eine grössere Erhaltenswürdigkeit zu. Die Störungsanfälligkeit der pneumatischen Steuerung hatte in den 80er Jahren zum Ersatz des Spieltisches geführt. Das Spieltischgehäuse wurde aus optisch wenig ansprechendem, furniertem Limbaholz-Plattenmaterial ausgeführt. Der Gewinn bestand aber eindeutig in einer von da an gut funktionierenden, pneumatischen Steuerung im Spieltischbereich.

Fuetsch selbst hatte durch die spätere Hinzufügung von zwei Registern (I. Manual Trompete 8 ', Pedal Octavbass 8 ') die räumlichen Verhältnisse und die Zugänglichkeit zum Pfeifenwerk stark beeinträchtigt, was in der Folge bei den Stimmarbeiten zu Schäden am Pfeifenwerk führte. Offensichtliche Mängel lagen von Beginn an auch bei einer nicht funktionierenden Balgsteuerung, welche zu sehr provisorisch anmutenden Hilfskonstruktionen führte. Diese wiederum erschwerten die Zugänglichkeit zur Unterseite der Laden. Hinzu kamen im Laufe der Jahre «Reparaturarbeiten», die jeder Beschreibung spotten und die Funktionsfähigkeit der Orgel erheblich verschlechterten.

Trotz dieser, in verschiedener Hinsicht problematischen Gesamtsituation besass die Orgel durchaus erkennbare, klangliche Qualitäten und den authentisch-romantischen Klangcharakter, den man in der Pfarrei schätzte. So war es nicht schwierig, die traditionsbewussten Menschen in Innervillgraten von der Richtigkeit einer Restaurierung dieser Orgel zu überzeugen. Für die Pfarrei war es dabei wichtig, mit diesen klanglichen Qualitäten ein Instrument für die Liturgie zu besitzen, welches langfristig gut funktionieren würde, nicht mehr!

Unser Restaurierungskonzept zielte also in erster Linie auf eine sorgfältige, technische Instandsetzung und die Erneuerung von Verschleissteilen (Membranen, Balgleder, etc.). Die ursprüngliche Balgsteuerung im Balginnern wurde in einen funktionsfähigen Zustand versetzt, so dass spätere Veränderungen entfernt werden konnten. Kunststoffschläuche wurden wieder durch Bleirohre ersetzt, ebenso Flexrohre durch Holzkanäle. Zusätzliche Laufböden, Handläufe und Leitern sorgen für eine verbesserte Zugänglichkeit zum Pfeifenwerk. Das sind alles keine spektakulären Dinge, die in ihrer Gesamtheit und in der Solidität ihrer Ausführung aber zu ganz erstaunlichen Ergebnissen führten.

Ein neues Spieltischgehäuse oder gar einen neuen Spieltisch, ebenso wie auch grössere Arbeiten am Orgelgehäuse hatten wir nicht vorgesehen. Diese Arbeiten hätten nicht zur Erreichung des gesetzten Zieles beigetragen und erhebliche Kosten verursacht.

Nach Abschluss der technischen Instandsetzung waren aber dem Ortsvorsteher und den Handwerkern von Innervillgraten der Spieltisch, trotz guter Funktion, nicht mehr schön genug. Der Tischler des Ortes fertigte ein Spieltischgehäuse von höchster handwerklicher Qualität. Es war für uns eindrücklich mitzuerleben, mit welchem Einsatz in dieser Pfarrei gearbeitet wurde.

Jeder, der die Wiedereinweihung der Orgel am 15. Juli 2012 miterleben durfte, konnte die denkmalwürdige Einschätzung dieser Orgel bestätigen. Doch nicht nur diese Beurteilung sondern auch das Konzert des Domorganisten von St. Pölten, Ludwig Lusser, führte allen Anwesenden deutlich vor, dass diese Orgel viel mehr kann, als «nur» ihre Aufgaben in der Liturgie zu erfüllen. Hinzu kommt eine lebendige musikalische Tradition von hoher Qualität in Innervillgraten, welche die Orgel in ein grossartiges Umfeld stellt.


Disposition


www.orgelbau.ch/op=504270