Faszination Orgelbau

 

 

Orgelbau Th. Kuhn AG, 1994

Restaurierung

Orgel erbaut von
Max Klingler, 1887
Gebr. Späth, 1921
Windladen
Taschenladen
Traktur
mechanisch-pneumatisch
Registratur
pneumatisch
Einweihung
20.11.1994
Experte
Rudolf Brulin
Intonation
H.-J. Schacht

Disposition


www.orgelbau.ch/op=800990

Eggenwil

II/P/12

Schweiz, Aargau
Kath. Kirche St. Laurentius

© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf

Orgelbau Th. Kuhn AG, 1994

Restaurierung

Orgel erbaut von
Max Klingler, 1887
Gebr. Späth, 1921
Windladen
Taschenladen
Traktur
mechanisch-pneumatisch
Registratur
pneumatisch
Einweihung
20.11.1994
Experte
Rudolf Brulin
Intonation
H.-J. Schacht

Die Mechanisierung der pneumatischen Traktur

Das ursprüngliche Orgelwerk in der kath. Pfarrkirche St. Laurentius entstand als opus 33 der Gebrüder Maximilian und Titus Klingler in Rorschach im Jahre 1887 (II/P/8). Dieses Werk wurde 1921 durch die Gebrüder Späth in Rapperswil SG umgebaut und vergrössert (II/P/12). Die alte mechanische Kegellade für das Hauptwerk wurde pneumatisiert, für das Echowerk und das Pedal wurden neue Taschenladen mit liegenden Taschen gebaut. Da alles in der ursprünglichen Frontbreite unterzubringen war, wurde die Zugänglichkeit stark beeinträchtigt.

Bei der Neugestaltung der Orgel im Zuge einer umfassenden Kirchenrestaurierung in den Jahren 1992/94 stellten sich hinsichtlich der Orgel verschiedene grundsätzliche Probleme. Das blau gefasste Gehäuse von 1887 sollte nach den Wünschen der Denkmalpflege erhalten bleiben. Der siebenteilige Prospekt mit zwei äusseren Blindfeldern und einem leeren Mittelfeld mit einer Muttergottesstatue durfte also nicht verändert werden. Im weitern wurde aber auch das romantische Klangbild der Orgel als schützenswert bezeichnet. Trotzdem waren die Zugänglichkeiten und Wartungsmöglichkeiten zu verbessern, wollte man die Orgel überhaupt retten.

Nach bislang gängiger Methode hätte man bei dieser Sachlage wohl neue mechanische Schleifladen gebaut, das vorhandene romantische Pfeifenwerk darauf gestellt und entsprechend intoniert. Wir waren indessen der Ansicht, zur wirklichen Wahrung des Klangdenkmals müssten nicht nur Registerkanzellenladen verwendet werden, sondern auch die pneumatische Tonauslösung müsste erhalten bleiben. Dabei war uns bewusst, dass pneumatische Windladen an sich recht präzise arbeiten, dass ein Grossteil der an der Pneumatik zu recht kritisierten Unpräzision nicht von der Lade stammt, sondern von der pneumatischen Traktur. Wir beschlossen deshalb im Einvernehmen mit der Denkmalpflege und der Bauherrschaft, zwar neue Registerkanzellenladen (Bälgchenladen) zu bauen, jedoch eine neue mechanische Traktur vom freistehenden Spieltisch aus bis unmittelbar unter die Laden (mit normalen Winkeln, Wippen, Abstrakten und Wellenbrettern). Kleine Lädchen mit mechanischen Schwanzventilen übernehmen dort die Rolle des pneumatischen Vorgeleges. Von dort weg führt eine kurze pneumatische Verrohrung mit traditionellen Bleirohren bis zur Windlade. Dieses System ist grundsätzlich sowohl mit Zustrom wie mit Abstrom ausführbar.

Diese «Mechanisierung» einer pneumatischen Orgel wurde hier in Eggenwil erstmals entwickelt und angewandt. Die Resultate waren und sind derart überzeugend, dass diese Technik seither auch andernorts (zum Beispiel in Ulm, kath. Kirche St. Georg, 2004) zur Anwendung gelangte. Freilich ist dieses Vorgehen nicht in jedem Fall möglich, sondern es müssen bestimmte Voraussetzungen hierfür erfüllt sein.

Friedrich Jakob, 2006


Literaturhinweis

Friedrich Jakob: Mechanische Trakturen für pneumatische Orgeln?, in: Acta organologica, Bd. 25, Kassel 1997, S. 249-254.


Disposition


www.orgelbau.ch/op=800990