Faszination Orgelbau

 

 

Orgelbau Kuhn AG, 2010

Restaurierung

Orgel erbaut von
Franz Reinisch, 1904
Windladen
Kegelladen
Traktur
pneumatisch
Registratur
pneumatisch
Einweihung
29.05.2010
Experte
Gerd Pichler
Intonation
Niklaus Stengele


www.orgelbau.ch/op=801470

Obertilliach

II/P/17

Österreich, Tirol
Röm.-kath. Pfarrkirche St. Ulrich

© Bilder Orgelbau Kuhn AG, Männedorf

Orgelbau Kuhn AG, 2010

Restaurierung

Orgel erbaut von
Franz Reinisch, 1904
Windladen
Kegelladen
Traktur
pneumatisch
Registratur
pneumatisch
Einweihung
29.05.2010
Experte
Gerd Pichler
Intonation
Niklaus Stengele

Es war ein grosses Anliegen des Bundesdenkmalamtes in Wien, in Osttirol eine pneumatische Orgel des Orgelbauers Franz Reinisch aus Steinach am Brenner (Opus 87) aus dem Jahre 1904 zu erhalten. In dieser Region kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu vielen Orgelneubauten mit Schleifladen und mechanischen Trakturen, entsprechend hat sich die Anzahl romantisch orientierter Werke mit pneumatischen Trakturen reduziert. Die Orgel ist klanglicher Hinsicht unverändert erhalten, sogar die originalen Prospektpfeifen aus Zinn hatten sich 1917 der Verwendung für militärische Zwecke entziehen können.

Als Veränderungen am Instrument waren lediglich die Versetzung des Spieltisches auf die Seite der Empore und die Verringerung der Gehäusetiefe zu konstatieren.

Durch fehlende Pflege kam die Orgel über die Jahrzehnte in einen immer schlechteren technischen Zustand und war letztlich praktisch unspielbar. Dennoch war der Organist von den wenigen, noch erkennbaren Klängen immer fasziniert, so dass er den Vorschlägen des Bundesdenkmalamtes und unserem Restaurierungsplan mit grosser Begeisterung zustimmte. In dem idyllisch gelegenen Bergdorf mit seinen traditionsbewussten Menschen brauchte es wenig, bis alle Obertilliacher hinter diesem Projekt standen und es auch finanziell realisierten.

Die Verschmutzung der Orgel war ganz erheblich: Vögel hatten ihre Nester in die grossen Pfeifen gebaut und vertrocknete Insekten lagen zentimeterhoch in den Stiefeln der Posaune. Der Motor auf dem Dachboden der Kirche war total verrostet, und viele Bleirohre lagen abgeknickt und losgelöst im Orgelinnern. Der Spieltisch hatte alle denkbaren Beschädigungen erfahren und die Lederteile der pneumatischen Steuerung waren am Ende ihrer Funktionsfähigkeit.

Der Spieltisch wurde von uns komplett demontiert und in der Werkstatt wieder liebevoll aufgearbeitet. Fehlstellen am Gehäuse wurden ergänzt, gebrochene Teile verleimt oder erneuert, die Ledermembranen ersetzt und alles auf Winddichtigkeit geprüft.

Im technischen Bereich lag der Schwerpunkt der Arbeiten beim Ersatz der über 800 Bälgchen unter den Kegelventilen und bei der Verlegung vieler hundert Meter Bleirohr zum wieder vor der Orgel stehenden Spieltisch. Koppelmembranen, Registerzugbälgchen, Vorventile, alles musste gereinigt und genau reguliert werden. Letztlich fanden sogar die in einem Stall zwischengelagerten Pfeifen wieder ihren Platz in der Orgel. Die Pfeifenwerkstatt richteten wir neben dem Stall ein, so dass die Pfeifen an einem Ort mit wirklich passendem Ambiente restauriert wurden.

Die Restaurierung fand mit der Nachintonation ihren Abschluss, wobei nur ausgeglichen wurde, so dass der Klangcharakter jedes Registers unverändert blieb.

Mit dem Abschluss der Kirchenrenovierung wurde auch die Orgel am 29. Mai 2010 wieder eingeweiht. Sie darf in der Osttiroler Orgellandschaft mit Recht als ein klanglich authentisches Instrument ihrer Zeit gelten.



www.orgelbau.ch/op=801470